Knights Saisonfazit

Ein weiteres Jahr Knights Football ist in den Büchern und die Entwicklung des Gesamtvereins in 2019 kann man in vielen Bereichen nur positiv bewerten. Wir haben uns mit Vorstand Tom Balkow zum Saisonfazit-Interview getroffen.

BK: Es ist nun einige Zeit seit den letzten Spielen vergangen. Wie fällt dein Fazit aus?

TB: Nun, grundsätzlich ist dieses Jahr natürlich für uns ein erfolgreiches gewesen. Wir konnten unsere Damen Mannschaft an den Start bringen und haben im DBL Ligabetrieb gut mitgehalten. Unsere Herren sind, zugegeben mit mehr Glück als Verstand, Tabellenerster geworden und unsere Mitgliederzahlen steigen stetig. Das ist sicherlich alles gut. Einige Bereiche laufen nicht so, wie wir uns das vorstellen, und da müssen wir jetzt den Winter nutzen.

BK: Welche Bereiche sind das?

TB: An erster Stelle steht da sicherlich unser Jugendprogramm. Wir sind seit einem Jahr im Trainingsbetrieb, hatten Anfang 2019 bereits versucht, unsere Kids durch eine Spielgemeinschaft mit den Bears in den Ligabetrieb zu bringen. Das hat leider nicht geklappt und jetzt ist natürlich etwas Druck da für 2020. Aber da bin ich guter Dinge. Dazu ist unsere Trainingssituation sicherlich auch noch nicht zufriedenstellend. Als neuer Verein ohne großen Hauptverein oben drüber hast du es in Berlin einfach sehr schwer, adäquate Plätze und Hallen zu bekommen. Hier arbeiten wir ebenfalls mit Hochdruck daran.

BK: Das bedeutet, ihr zieht wieder um?

TB: Nein. Wir sind im Jahn Sportpark heimisch geworden und wollen auch 2020 hier alle unsere Spiele austragen. Den Winter verbringen wir in Sporthallen in Prenzlauer Berg und in Reinickendorf. Die Bedingungen sind dort recht gut und wir können unsere Mannschaften gut auf die neue Saison vorbereiten.

BK: Sprechen wir erst einmal über die alte Saison. Dein sportliches Resümee für 2019?

TB: Sicherlich grandios war der Aufbau unserer Damen Mannschaft. Da haben wir in kürzester Zeit 40 Frauen zu einem Team geformt. Es war egal, ob die Leute komplette Neulinge waren oder Nationalspielerinnen. Alle haben gemeinsam an dem Projekt gearbeitet und sind eine verschworene Einheit geworden. Die Auftritte auf dem Feld waren teilweise sehr knapp und ich hätte mir natürlich gewünscht, dass sich die Ladies noch öfter für ihre harte Arbeit belohnt hätten. Aber das machen wir dann einfach in 2020. Bis auf einen leider gesundheitlich bedingten Abgang bleiben alle Spielerinnen an Bord. Das ist ein sehr solides Fundament und mit unserem erweiterten Coaching Staff wird das sicherlich ein gutes Jahr.

BK: Nächstes Jahr also wieder DBL1?

TB: Na sicher. Was anderes kommt für uns nicht in Frage. Der Lizenzantrag ist seit Anfang September schon raus.

BK: Du hast den Staff angesprochen. Da gibt es ja eine etwas größere Veränderung.

TB: Ja wir haben einen neuen OC für die Ladies verpflichten können. Coach Viking passt einfach zu uns. Er möchte dazu beitragen, dass unser Frauen Programm besser und stärker wird und wir haben ihn sehr herzlich willkommen geheißen. Mit Coach Salva, Coach Moppi, Coach Paul sowie Coach Brian und Coach Flynn haben wir einen großen Staff. Darüber hinaus sprechen wir noch mit zwei weiteren Defense Coaches. Kann also gut sein, dass sich da noch was tut.

BK: Dein Saisonziel für die Ladies?

TB: Mehr Siege als Niederlagen. Alles andere wird man sehen.

BK: Und Coach Sven macht ab sofort was?

TB: Er wird sich voll und ganz den Männern widmen. Einige unserer Trainer standen im letzten Jahr viermal pro Woche auf dem Trainingsplatz. Das geht an die Substanz. So auch bei ihm. Coach Sven wird nun die sicherlich große Aufgabe, die Männer in der Regionalliga zu betreuen, angehen und sich absolut auf dieses Projekt konzentrieren. Gemeinsam mit Coach Salva, der aktuell vor Tatendrang nur so strotzt und im Hintergrund unfassbar viel organisiert, ist das ein gutes Tandem.

BK: Bleibst du als Coach bei den Herren?

TB: Ja.

BK: Du hast es ja selber angesprochen. Regionalliga. Freust du dich darauf?

TB: Also als erstes muss ich erstmal sagen, dass wir keine überragende Saison gespielt haben. Natürlich freue ich mich darüber, dass wir als Tabellenerster aufsteigen. Das haben wir uns aber am Ende nicht selber erspielt. Wir haben die Saison gut begonnen aber einfach nicht im Rahmen unserer Möglichkeiten beendet und letztendlich von den Patzern anderer profitiert. Das muss man sich schlichtweg mal eingestehen. Insofern denke ich, hatten wir in diesem Jahr auch eine gehörige Portion Glück. Am Ende des Tages sage ich aber natürlich auch nicht nein zu diesem Abenteuer. Es gab vor der Saison viele, die mal wieder die Nase darüber gerümpft haben, warum wir aus der sechsten in die vierte Liga direkt hochgezogen wurden und generell bekommen wir ja immer noch viel Gegenwind derer, die sich fragen, warum es uns überhaupt gibt. Das werden aber immer weniger und ich denke, wir haben uns sportlich so entwickelt, dass diese Fragen und Zweifel so langsam mal ad acta gelegt werden können. Wir wollten mittelfristig in die Regionalliga. Jetzt sind wir da und das bedeutet, dass wir uns wieder beweisen und noch härter arbeiten müssen.

BK: In der Liga tut sich ja einiges. Viele neue Coaches, sicherlich wieder diverse Imports. Wie siehst du die Liga 2020?

TB: Schwierig zu sagen. Zunächst einmal freue ich mich sehr für Coach Jan, dass er den Posten bei den Rebels angeboten bekommen und angenommen hat. Jan ist einfach ein toller Mensch, sehr guter Coach und aus meiner Sicht die perfekte Lösung auf dieser Position. Auf die Duelle mit ihm freue ich mich sehr. Coach Ecki bei den Thunderbirds hat mich überrascht. Aber er ist ja auch ein Urgestein, kennt diese Liga wie kein Zweiter. Auch eine Top-Besetzung für die Thunderbirds. Bears und Spandau gehen ebenfalls mit neuen Trainerstäben an den Start und haben teilweise schon echte Hochkaräter als Spieler vermeldet. Das werden schwere Aufgaben. Nur aus Cottbus hört man noch nichts. Aber auch hier erwarte ich wieder ein sehr schlagkräftiges Team. Was mich persönlich freut ist, dass wir viele neue, junge Coaches in der Liga sehen werden. Nach Jahren der Flaute kommen endlich junge Wilde nach. Die bringen viel Enthusiasmus.

BK: Auch bei Euch? Wie sieht euer Trainerstab aus?

Wie jeder weiß hat uns Coach Jerry Richtung Bears verlassen. Mit Jerry verbindet mich seit vielen Jahren ein sehr gutes Verhältnis. Bei den Bears bekommt er die Chance, sich wieder weiterzuentwickeln. Hier kann er nicht nur den Spielern, sondern auch wieder jungen Nachwuchstrainern sein Wissen weitergeben. Darüber freue ich mich sehr für ihn. Coach Silvana wird in 2020 pausieren. Ansonsten sind wir aktuell noch mit einigen Trainern in Gesprächen. Auch hier, das muss man so ehrlich auch mal ansprechen, sind wir den anderen gegenüber im Hintertreffen, da wir nicht die großen Vergütungen zahlen können. Was andere Vereine aktuell in ihre Coaches investieren finde ich sehr gut. Wir sind da aber als junger Verein schlichtweg noch nicht konkurrenzfähig. Wir sprechen also mit Trainern, die unsere Vision teilen, die Lust darauf haben, sich selbst zu verwirklichen, die unsere Spieler in den Fokus stellen und nicht nur dem Ruf des Geldes folgen. Vielleicht haben wir dann am Ende einen nicht so erfahrenen Coaching Staff aber vielleicht den motiviertesten und leidenschaftlichsten. Man wird sehen. Ich hoffe, wir können in der kommenden Woche die ersten Nachrichten dazu vermelden und Namen veröffentlichen.

BK: Also auch keine Imports?

TB: Nein. Definitiv nicht.

BK: Aber alle anderen werden sicherlich Spieler aus Übersee holen.

TB: Ich glaube nicht, dass alle Teams das tun und außerdem kann man beobachten, dass einige Mannschaften umdenken und das einzig richtige tun, nämlich ihr Geld in deutsche Spieler zu investieren.

BK: Wie meinst du das?

TB: Ganz einfach. Es gibt unfassbar viel Talent in dieser Stadt in diesem Land. Wenn Mannschaften immer mehr dahin gehen, dass sie ihr Geld in ihre Trainer, deren Ausbildung und in ihre Spieler investieren, dann klingt das nach gesundem Wachstum. Ein, zwei Imports können dir kurzfristig helfen oder dir mal den Klassenerhalt sichern aber die Frage ist doch, was es mit deiner Mannschaft macht. Wie erklärst Du einem Offense Line Spieler, dass er Mitgliedsbeitrag dafür bezahlen muss, damit er den Import Quarterback, der bezahlt wird, beschützen darf? Das ist absurd. Wir als Verein haben immer gesagt, wenn wir anfangen, Geld in unseren Kader zu investieren, dann zuerst in die Coaches, denn sie machen alle Spieler besser und dann in lokale Talente. Und in die Jungs, die uns bis hierher gebracht haben und mit uns unsere Vision und den Traum leben. Wir zahlen ihr Vertrauen und ihr Engagement auf andere Art und Weise zurück. Mit einem grandiosen Betreuerstab und mit den besten Ärzten und Physios. Von 185 Trainingseinheiten für Männer und Frauen gab es genau drei Einheiten, bei denen kein Physio anwesend war. Mit Sachleistungen für das Team. Bei uns musste beispielsweise noch nie jemand etwas für die Busse für Auswärtsspiele zuzahlen. Oder für die Verpflegung an der Sideline. Wir werden weiter alle Spieler in den Fokus stellen und nicht für einzelne viel Geld ausgeben und dadurch vielleicht andere auf dem Weg verlieren. Dazu entsenden wir in diesem Jahr acht Trainer zum C-Lizenz-Lehrgang und werden mindestens fünf Mitglieder zu den E-Lizenz-Schiedsrichter-Lehrgängen schicken. Quintessenz: Wir geben Geld für die aus, die lila sind. Wir geben kein Geld aus, damit Menschen lila werden. Wer unsere Philosophie versteht, der kommt aus einer Eigenmotivation, weil er sich mit dem Programm identifizieren kann und nicht wegen des Geldes.

BK: Wie ist dein Saisonziel mit dem Herren?

TB: Drinbleiben. Nichts anderes kann das Ziel sein. Wenn wir wie beschrieben nicht die großen Investitionen tätigen können und es noch zwei Jahre dauert, bis aus der Jugend ein Schwung neuer Spieler hochkommt, kann nur das Ziel sein, nicht gleich wieder abzusteigen. Dafür werden wir arbeiten.

BK: Stichwort Jugend. Wie sieht es da aus?

TB: Wir hatten jetzt zum Ende des Jahres ein paar Abgänge aber in gleicher Zahl auch Zulauf. Viele junge Talente, die fleißig trainieren und jedes Mal besser werden. Wir werden 2020 definitiv eine Mannschaft in den Ligabetrieb bringen und ich freue mich, besonders die Jungs, die jetzt seit über einem Jahr schon trainieren, dann endlich auf dem Feld zu sehen. Die ersten haben sich bereits bei den Trainings der Auswahl gezeigt und hätten auch mitfahren dürfen, wenn sie dieses Jahr einen Spielerpass gehabt hätten. Das stimmt mich positiv, was unser Programm angeht.

BK: Und wie gehts jetzt aktuell weiter bei den Knights?

TB: Unsere Teams sind derzeit in der Trainingspause. Die Juniors waren bis jetzt fleißig aber gönnen sich jetzt auch mal eine Woche Luft. Dann beginnt am 28.10. für die Juniors das Wintertraining. Bereits am 25.10. starten die Ladies mit einem Open Try Out in die Saisonvorbereitung. Die Seniors folgen dann am 06.11.. Zwischendurch wird es noch ein Open House Meeting geben, um allen unser Programm und unsere Coaches detailliert vorzustellen.

BK: Wir danken für das Gespräch und wünschen eine erfolgreiche Saisonvorbereitung.

TB: Danke.

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